Probezeit in der Ausbildung — Alles was du wissen musst
Die ersten 1–4 Monate deiner Ausbildung sind deine Probezeit. Das klingt wie ein Testlauf — und das ist es auch. In dieser Zeit können beide Seiten fristlos kündigen, ohne Grund zu geben.
Das ist eine einmalige Situation im deutschen Arbeitsrecht. Deshalb ist es wichtig, dass du verstehst, wie das funktioniert, was die Regeln sind und wie du sie erfolgreich bestehst.
Was ist die Probezeit eigentlich?
Die Probezeit ist ein Zeitraum am Anfang deiner Ausbildung, in dem beide Seiten — du und der Betrieb — sich kennenlernen. Der Gesetzgeber sagt: "Gebt euch beide Zeit, um zu sehen, ob das passt."
Rechtliche Grundlage: §20 BBiG (Berufsbildungsgesetz)
Die wichtigsten Fakten:
- Dauer: 1 bis 4 Monate (der Betrieb legt das fest, normalerweise 3 Monate)
- Kündigungsschutz: Fristlos und ohne Grund möglich (von beide Seiten)
- Kündigung: Schriftlich, mit Unterschrift
- Ein Abmahnung ist nicht nötig für Kündigung in der Probezeit
Das letzte Punkt ist wichtig: Normalerweise im Arbeitsrecht brauchst du erst eine Abmahnung, bevor du rausfliegen kannst. In der Probezeit nicht. Mehr zu deinen Rechten und Pflichten generell erfährst du in unserem Artikel Rechte und Pflichten als Azubi.
Die Dauer der Probezeit
Laut Gesetz liegt die Probezeit zwischen 1 und 4 Monaten. Der Betrieb entscheidet das, nicht du.
In der Praxis:
- Die meisten Betriebe wählen 3 Monate (ein Vierteljahr)
- Manche Betriebe wählen 2 Monate (wenn sie schnell entscheiden wollen)
- Große Konzerne wählen manchmal 6 Wochen
- Kleinere Handwerksbetriebe wählen manchmal 4 Monate
Die Probezeit ist im Ausbildungsvertrag festgehalten. Schau also in deinen Vertrag und checke, wie lange deine Probezeit ist.
Wichtig: Die Probezeit kann nicht nachträglich verlängert werden — außer unter bestimmten Umständen.
Kann die Probezeit verlängert werden?
Ja, aber nur in Ausnahmefällen:
1. Mutter- oder Elternzeitschutz: Wenn du wegen Schwangerschaft oder Elternzeit ausfällst, wird die Probezeit um diese Zeit verlängert. Das ist gerecht — du kannst nicht "trainieren", wenn du nicht da bist.
2. Krankheit: Wenn du lange krank bist (z.B. 6 Wochen), kann der Betrieb um diesen Zeitraum verlängern. Das ist legal.
3. Blockausfall wegen Berufsschule: Manchmal zählen Phasen in der Berufsschule nicht zur Probezeit, wenn du überhaupt nicht im Betrieb warst. Das ist aber regional unterschiedlich und sollte im Vertrag geklärt sein.
Im Normalfall: Probezeit ist Probezeit, Ende. Nach 3 Monaten ist sie vorbei.
Kündigung während der Probezeit
Das ist das Knifflage: Beide Seiten können sich fristlos (sofort) kündigen, ohne Grund zu geben.
Der Betrieb kündigt dir
Der Betrieb kann dir schreiben: "Deine Probezeit-Ausbildung ist beendet, ab sofort nicht mehr." Das ist vollkommen legal.
Das ist wichtig: Der Betrieb braucht keinen Grund. Er muss nicht sagen "Weil du langsam bist" oder "Weil dir Mathematik nicht liegt." Nein. Fristlos, ohne Grund.
Wie passiert das?
- Der Betrieb schreibt dir einen Brief oder gibt dir das persönlich
- Die Kündigung muss schriftlich und unterschrieben sein
- Die Kündigung tritt sofort in Kraft
- Du bist weg — manchmal Stunden später, manchmal am selben Tag
Das ist hart, aber legal. Übrigens: Auch nach der Probezeit kannst du deine Ausbildung beenden — aber dann mit anderen Bedingungen. Falls die Ausbildung nicht passt, lies unseren Artikel Ausbildung abbrechen — Was dann passiert.
Du kündigt dem Betrieb
Du darfst auch fristlos kündigen. Wenn dir nach einer Woche klar ist: "Das ist nicht mein Ding", kannst du sagen: "Ich gehe."
Die Kündigung funktioniert genauso:
- Brief oder persönlich, aber schriftlich und unterschrieben
- Keine Begründung nötig
- Tritt sofort in Kraft
Was passiert, wenn der Betrieb dich in der Probezeit kündigt?
Das erste Gefühl ist Schock. Das ist normal. Aber es bedeutet nicht das Ende deiner Ausbildung.
1. Arbeitslosengeld: Wenn die Ausbildung endet, hast du Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I). Das ist ein wenig Geld vom Jobcenter, um dich zu unterstützen, während du einen neuen Betrieb suchst. Der Satz liegt 2026 bei ca. 380 Euro/Monat (für unter-25-Jährige) und hängt von deinen Elterneinkommen ab.
2. Krankenversicherung: Deine Krankenversicherung endet nicht einfach. Es gibt Übergangslösungen (z.B. über die Agentur für Arbeit oder deine Familie).
3. Zeugnis: Der Betrieb muss dir ein Zeugnis geben. Es wird wahrscheinlich so klingen: "Der Azubi war ... und verlässt uns zum Zeitpunkt der Beendigung der Probezeit." Das Zeugnis wird nicht super detailliert sein, aber es dokumentiert, dass du ein Ausbildungsverhältnis hattest.
4. Suche nach neuem Betrieb: Hier ist die gute Nachricht: Es ist noch nicht zu spät. Du kannst sofort einen neuen Betrieb suchen. Wenn du einen findest, fängst du wieder von vorne an (mit neuer Probezeit).
Das ist zwar frustrierend, aber es ist nicht das Ende der Welt. Viele Leute haben eine Ausbildung wechseln müssen und sind trotzdem erfolgreich.
Was zum Glück NICHT gekündigt werden darf
Auch in der Probezeit gibt es Grenzen. Der Betrieb darf dich nicht ohne weiteres kündigen, wenn es Diskriminierung ist:
- Kündigung wegen Geschlecht: Illegal
- Kündigung wegen Hautfarbe/ethnische Herkunft: Illegal
- Kündigung wegen Behinderung: Illegal
- Kündigung wegen Sexualität/Geschlechtsidentität: Illegal
- Kündigung wegen Schwangerschaft (Frauen) oder Elternzeit: Illegal (Mutterschutz)
- Kündigung wegen Gewerkschaftstätigkeit: Illegal
- Kündigung wegen Krankheit (wenn unverhältnismäßig kurz): Diskriminierend
Wenn dich der Betrieb also "während der Probezeit" kündigt und der echte Grund ist Diskriminierung, kannst du dagegen klagen. Das ist hart, aber es ist möglich.
Tipps für eine erfolgreiche Probezeit
Wenn du die Probezeit erfolgreich bestehen willst, hier sind die Dinge, auf die Betriebe achten:
1. Komm pünktlich hin
Das ist das einfachste Signal: "Ich nehme das ernst." Wenn du täglich zu spät kommst, sagt das: "Mir ist das nicht wichtig." Auch in der Probezeit.
- Fahr 15 Minuten früher los
- Habe einen Backup-Plan (was, wenn der Bus nicht kommt?)
- Wenn du krank bist, sag es am selben Morgen dem Betrieb an
2. Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst
Das ist nicht dumm, das ist smart. Der Betrieb sieht: "Dieser Azubi weiß, wann er Hilfe braucht."
- Wenn die Anleitung zu schnell geht: "Kann du das noch einmal zeigen?"
- Wenn du die Aufgabe nicht verstehst: "Kann ich die Anforderung zusammenfassen, damit ich sicher bin?"
Das ist 1.000 Mal besser als einfach zu hoffen, dass du es richtig machst.
3. Nimm Kritik nicht persönlich
In der Probezeit werden Ausbilder sehr kritisch. Das ist ihre Aufgabe: "Soll ich diesen Azubi nehmen oder nicht?"
Wenn der Ausbilder sagt: "Das war nicht gut", nimm das als Lernchance, nicht als Beleidigung.
- "Ich verstehe. Nächstes Mal mache ich das so: ..."
- "Kann ich das noch einmal versuchen?"
- "Danke für die Rückmeldung."
Das zeigt Haltung.
4. Sei ein guter Kollege
Du brauchst nicht der beste Freund aller zu sein. Aber sei nett:
- Höflich im Umgang
- Hilfsbereit (wenn du fertig bist, fragst du "Kann ich dir helfen?")
- Respektvoll zu älteren Kollegen
- Nicht auf dem Handy hängen während der Arbeit
5. Versuche zu lernen, nicht nur zu "arbeiten"
Der Betrieb zahlt dich, um dich auszubilden, nicht um dich zu arbeiten wie einen billigen Arbeiter. Wenn du nur Kaffee holst oder Kram aufräumst:
- Frag: "Kann ich etwas Neues lernen?"
- Beobachte, wie die anderen es machen
- Lese dein Ausbildungsheft (ja, das existiert)
Das zeigt Engagement.
6. Halte dich an die Regeln
- Schrei nicht rum
- Rauche nicht auf dem Betriebsgelände (wenn nicht erlaubt)
- Benutze nicht einfach die Privatgeräte des Betriebs
- Vertrau die Betriebsgeheimnisse nicht deinen Freunden an
Das klingt selbstverständlich, aber manche Azubis machen das. Das ist ein direkter Grund zum Rausfliegen.
7. Werde nicht krank
Okay, das ist unfair. Manchmal wirst du krank, und das ist okay. Aber wenn du innerhalb der Probezeit 3 Wochen krank bist, ist das für den Betrieb ein Signal: "Vielleicht ist dieser Job zu anstrengend für diesen Azubi."
Das ist nicht deine Schuld, wenn du wirklich krank wirst. Aber bedenk: Der Betrieb sieht das möglicherweise als Grund zu sagen: "Das funktioniert nicht."
Was ist das realistische Szenario?
Ehrlich gesagt: Die meisten Azubis bestehen die Probezeit. Der Betrieb hat dich schon ausgewählt aus hundert Bewerbungen. Er will, dass du bleibst.
Eine Probezeit-Kündigung ist eher die Ausnahme:
- Wenn du merklich nicht die Anforderungen erfüllst
- Wenn es menschlich nicht passt
- Wenn du dich danebenbena himmst
- Wenn eine Verletzung oder große Schande passiert
Statistik: ca. 10–15% der Azubis in der Probezeit werden gekündigt. Das heißt: 85–90% bestehen sie. Das sind gute Chancen.
Nach der Probezeit — Was ändert sich?
Wenn die Probezeit vorbei ist (z.B. nach 3 Monaten), ist Schluss mit sofortiger Kündigung ohne Grund.
Ab dann:
- Der Betrieb braucht einen wichtigen Grund zum Kündigen (z.B. du lernst absolut nicht, du schädigst absichtlich Geräte, unhöfliches Verhalten)
- Es braucht normalerweise eine oder zwei Abmahnungen davor
- Die Kündigung muss 4 Wochen im Voraus passieren
- Du hast Kündigungsschutz
Das ist ein großer Unterschied. Plötzlich bist du viel sicherer.
Was, wenn die Probezeit wegen Krankheit verlängert wird?
Das ist eine häufige Frage: Wenn ich in den ersten 2 Monaten 1 Monat krank bin — verlängert sich die Probezeit?
Die Antwort: Ja, meist.
Wenn es vereinbart ist, dass Krankheitsausfallzeiten nicht zur Probezeit zählen, kann der Betrieb verlangen, dass du aktiv 3 Monate im Betrieb bist. Das ist legal.
Das ist nicht ungerecht: Der Betrieb kann dich nicht fair beurteilen, wenn du nicht da bist. Also braucht er mehr Zeit.
Aber: Das muss im Ausbildungsvertrag irgendwie geregelt sein oder wird dir mitgeteilt.
Mythen über die Probezeit — Debunked
Mythos 1: "In der Probezeit brauchst du eine Abmahnung, bevor dich der Betrieb kündigt."
Falsch. In der Probezeit kann dich der Betrieb ohne Abmahnung kündigen. Punkt.
Mythos 2: "Wenn ich die Probezeit nicht bestehe, kann ich nie wieder einen Ausbildungsplatz bekommen."
Falsch. Tausende Azubis haben die Probezeit nicht bestanden und sind trotzdem erfolgreich. Du fängst bei einem neuen Betrieb neu an.
Mythos 3: "Der Betrieb kann mich erst am Ende der Probezeit kündigen."
Falsch. Der Betrieb kann dich auch nach 1 Woche kündigen, wenn die Probezeit 3 Monate ist. Fristlos und ohne Grund.
Mythos 4: "Wenn ich krank bin, zählt das nicht zur Probezeit."
Manchmal wahr, manchmal falsch. Das hängt vom Vertrag und wie lange du weg bist ab. Checke deinen Vertrag oder frag den Betrieb.
Mythos 5: "Ich muss einen neuen Vertrag unterschreiben, um die Probezeit zu beenden."
Falsch. Nach der Probezeit geht es einfach weiter. Es gibt kein "Durchstechen" oder neue Unterschrift — nur deine alte Verträge läuft.
Häufige Fragen
F: Wie lange dauert die Probezeit in der Ausbildung? A: Die Probezeit dauert zwischen 1 und 4 Monaten — der Betrieb entscheidet das. In der Praxis sind es meist 3 Monate. Die Dauer muss in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten sein.
F: Kann ich in der Probezeit gekündigt werden? A: Ja, der Betrieb kann dich fristlos und ohne Grund kündigen. Das ist in der Probezeit legal. Du kannst den Betrieb aber auch fristlos kündigen — beide Seiten haben diese Möglichkeit.
F: Muss eine Kündigung in der Probezeit begründet werden? A: Nein, der Betrieb muss keine Gründe angeben. Eine Abmahnung ist auch nicht nötig. Die Kündigung muss nur schriftlich erfolgen. Das ändert sich nach der Probezeit — dann braucht der Betrieb einen wichtigen Grund.
F: Verlängert sich die Probezeit wenn ich krank bin? A: Oft ja, wenn dies im Vertrag vereinbart ist. Wenn du mehrere Wochen ausfällst, kann der Betrieb um diese Zeit verlängern, damit er dich fair beurteilen kann.
F: Wie viele Azubis bestehen die Probezeit nicht? A: Etwa 10–15% der Azubis werden in der Probezeit gekündigt. Das heißt: 85–90% bestehen sie. Wenn du pünktlich kommst, Fragen stellst und lernwillig bist, hast du gute Chancen.
Fazit: Die Probezeit
Die Probezeit ist kurz (1–4 Monate), aber intensiv. In dieser Zeit können beide Seiten ohne Grund kündigen — das ist eine einmalige Situation.
Deine beste Strategie:
- Komm pünktlich, sei zuverlässig
- Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst
- Sei nett zu Kollegen und Ausbildern
- Versuche, viel zu lernen
- Halte dich an die Regeln
Wenn du das machst, wirst du die Probezeit sehr wahrscheinlich bestehen. Und dann? Dann ist der Job um ein Vielfaches sicherer.
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