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Ausbildungswissen

Ausbildungsvergütung 2026 — Was verdienst du wirklich?

Die Ausbildungsvergütung 2026 ist gesetzlich geregelt. Wir zeigen dir, wie viel du wirklich verdienst — Mindestausbildungsvergütung, Tarifverträge, Steuern und echte Zahlen nach Branche.

ZUKUNFTSTART Redaktion·16. März 2026·10 Min. Lesezeit

Ausbildungsvergütung 2026 — Was verdienst du wirklich?

Das Thema Geld ist bei der Wahl einer Ausbildung genauso wichtig wie der Beruf selbst. Du fragst dich: Wie viel verdiene ich als Azubi? Reicht das zum Leben? Und wie unterscheidet sich das Gehalt zwischen den Branchen?

Gute Nachricht: Die Ausbildungsvergütung in Deutschland ist nicht willkürlich. Sie wird durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Tarifverträge geregelt. Wir zeigen dir, worauf du achten musst und welche Zahlen für 2026 realistisch sind.

Die Mindestausbildungsvergütung 2026

Seit 2020 gibt es in Deutschland eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Das bedeutet: Jeder Ausbildungsbetrieb muss dir mindestens diesen Betrag zahlen — egal in welcher Branche.

Ausbildungsvergütung (monatlich brutto):

Gesetzlich garantiert ist die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Für Ausbildungen, die 2026 beginnen, gilt:

    1. Ausbildungsjahr: mindestens 724 €
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 854 €
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 977 €
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 1.014 €

Das ist die gesetzliche Untergrenze, kein Durchschnitt. Was du tatsächlich verdienst, hängt von Beruf, Branche, Region und Tarifvertrag ab und liegt in vielen Berufen deutlich darüber; tarifgebundene Betriebe zahlen den jeweiligen Tarif. Aktuelle Werte je Beruf stehen in der BIBB-Datenbank Ausbildungsvergütungen.

(Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Mindestausbildungsvergütung 2026)

Diese Sätze steigen jährlich. Das BBiG koppelt den Satz für das 1. Ausbildungsjahr an die durchschnittliche Entwicklung der Ausbildungsvergütungen der beiden Vorjahre — 2026 sind das 6,2 Prozent mehr als die 682 € von 2025. Für die weiteren Jahre kommen gesetzlich festgelegte Aufschläge dazu: 18 Prozent im 2., 35 Prozent im 3. und 40 Prozent im 4. Ausbildungsjahr.

Wichtig: Das ist nicht das, was du in der Tasche hast. Das ist das Brutto-Gehalt. Davon gehen Steuern und Sozialabgaben ab. Mehr zu deinen Rechten als Azubi findest du in unserem Ratgeber zu Rechten und Pflichten als Azubi.

Tarifvertrag schlägt Mindestausbildungsvergütung

Die meisten Azubis verdienen mehr als die Mindestausbildungsvergütung — nämlich dann, wenn ihr Betrieb an einen Tarifvertrag gebunden ist. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt und legen oft bessere Bedingungen fest.

Wie groß der Abstand ist, hängt stark von der Branche ab. Banken und Versicherungen, die Metall- und Elektroindustrie und der öffentliche Dienst zahlen deutlich über dem gesetzlichen Minimum; Friseurhandwerk, Einzelhandel und Gastronomie liegen traditionell am unteren Ende. Das liegt nicht an der Schwierigkeit der Ausbildung, sondern an Tarifbindung und Branchenmargen.

Konkrete Zahlen je Beruf veröffentlicht das Bundesinstitut für Berufsbildung jedes Jahr in der Datenbank Ausbildungsvergütungen. Dort stehen die tatsächlich vereinbarten Tarifwerte — nach Beruf, Jahr und West/Ost getrennt. Wir verweisen bewusst dorthin, statt eigene Tabellen zu pflegen, die nach einer Tarifrunde still veralten.

Zwei Dinge gelten unabhängig vom Tarif: Kein Betrieb darf unter die Mindestausbildungsvergütung gehen, und eine Vergütung gilt nach der Rechtsprechung als unangemessen, wenn sie den einschlägigen Tarifsatz um mehr als 20 Prozent unterschreitet.

Tipp: Frag bei deinem potenziellen Arbeitgeber konkret nach: "Welcher Tarifvertrag gilt bei euch?" oder "Wie viel zahlt ihr im 1./2./3. Jahr?" Damit keine Überraschungen entstehen.

Regionale Unterschiede: West vs. Ost

Ein großer Unterschied, den viele übersehen: Die Tarifvergütungen sind in Ostdeutschland oft deutlich niedriger als im Westen. Das ist keine Diskriminierung, sondern historisch gewachsen — die Tarifverträge werden regionial verhandelt.

Beispiel Industrietarif (3. Lehrjahr):

  • Westdeutschland (z.B. Baden-Württemberg, NRW): 1.150–1.350 Euro
  • Ostdeutschland (z.B. Sachsen, Thüringen): 850–1.000 Euro
  • Unterschied: Bis zu 500 Euro weniger pro Monat (6.000 Euro pro Jahr)

Beispiel Einzelhandel (3. Lehrjahr):

  • Westdeutschland: 750–900 Euro
  • Ostdeutschland: 600–750 Euro
  • Unterschied: 150 Euro weniger pro Monat

Diese Unterschiede sind wichtig zu kennen, wenn du überlegst, wo du deine Ausbildung machst oder ob ein Umzug sinnvoll ist. Eine Ausbildung in München bringt dir 200–300 Euro mehr pro Monat als in Leipzig — aber die Lebenshaltungskosten sind auch höher (Miete, Lebensmittel, etc.).

Unterschiede nach Lehrjahr

Du merkst es vielleicht schon: Je länger du in der Ausbildung bist, desto mehr verdienst du. Das ist logisch — du kannst mehr, brauchst weniger Anleitung und bringst dem Betrieb mehr Wert.

Das erste Lehrjahr ist oft das niedrigste Einkommen. Der Grund: Du brauchst noch viel Anleitung und produzierst weniger Ertrag für den Betrieb. Außerdem bist du viel in der Berufsschule.

Im zweiten und dritten Jahr wächst dein Gehalt regelmäßig. Die prozentuale Steigerung variiert, liegt aber oft zwischen 10–20% pro Jahr.

Beispiel aus der Praxis:

  • Maurerlehrling (Tarifvertrag), 1. Lj.: 750 Euro
    1. Lj.: 900 Euro (+20%)
    1. Lj.: 1.050 Euro (+17%)

Das ist nicht viel Geld im absoluten Sinne — aber die Dynamik ist wichtig. Dein Arbeitgeber erkennt an, dass du besser wirst.

Brutto vs. Netto: Das Geld, das wirklich ankommt

Das ist der Punkt, wo viele Azubis überrascht sind. Du hörst: "Du verdienst 900 Euro!" und denkst, du hast 900 Euro. In Wahrheit kommen oft nur 700–750 Euro an.

Was wird von deinem Gehalt abgezogen?

  1. Lohnsteuer: Für unter-18-Jährige gilt oft die Steuerklasse I (Ledig). Die Lohnsteuer steigt mit dem Einkommen, liegt bei Azubis aber oft zwischen 0–8%.

  2. Solidaritätszuschlag: Ein kleiner Zusatz zur Lohnsteuer (0,55% des Lohnsteuersatzes). Gilt für die meisten Azubis mit regulärem Einkommen.

  3. Sozialversicherungsbeiträge: Das ist der größte Brocken.

    • Rentenversicherung: 9,3% (Arbeitnehmeranteil)
    • Krankenversicherung: ca. 8,5%
    • Pflegeversicherung: ca. 3,4%
    • Arbeitslosenversicherung: ca. 2,6%
    • Summe: ca. 23,8%

Beispiel Netto-Berechnung:

  • Brutto: 900 Euro
  • Sozialversicherung (23,8%): –214 Euro
  • Lohnsteuer + SolZ (ca. 5%): –45 Euro
  • Netto: ca. 641 Euro

Klingt hart? Aber bedenke: Diese Beiträge zur Rentenversicherung und Krankenversicherung sichern dich ab. Das ist nicht verlorenes Geld — es baut deine Rente auf und du hast Zugang zur Krankenversicherung.

Besonderheiten für Azubis mit kleinerem Einkommen

Wenn du unter 450 Euro brutto verdienst, gibt es teilweise Erleichterungen. Aber: Die meisten Azubis sind weit drüber.

Wichtiger: Kindergeld und BAB (Berufsausbildungsbeihilfe)

Wenn deine Eltern nicht so viel verdienen und du nicht bei ihnen wohnst, kannst du BAB beantragen. Das ist eine staatliche Unterstützung für Azubis in Notlage. Der Satz liegt 2026 zwischen 192 und 934 Euro monatlich, je nachdem wie viel deine Eltern verdienen und wie hoch deine Miete ist.

BAB ist nicht zu verwechseln mit dem regulären Kindergeld (250 Euro pro Kind monatlich bis 25 Jahre), das deine Eltern bekommen.

Wann BAB beantragen?

  • Du wohnst nicht mehr bei deinen Eltern
  • Dein Ausbildungsbetrieb ist zu weit weg
  • Das Ausbildungsgehalt reicht nicht zum Leben

Die Antragstellung ist beim Jobcenter oder bei der Agentur für Arbeit möglich. Es ist etwas Bürokratie, aber jeder Euro zählt.

Höchste und niedrigste Verdienste nach Beruf

Um dir einen Überblick zu geben: Hier sind die Branchen mit den höchsten und niedrigsten Ausbildungsvergütungen 2026.

Spitzenverdienste (3. Lehrjahr, Tarifvertrag):

  • Bankfachmann/-frau: 1.500–2.000 Euro brutto
  • Flugbegleiter: 1.200–1.500 Euro brutto
  • Industriemechaniker (große Betriebe): 1.200–1.400 Euro brutto
  • Kraftfahrzeugmechatroniker: 1.000–1.200 Euro brutto

Eher niedrigere Verdienste: Friseurhandwerk, Einzelhandel, Gastronomie und Floristik liegen am unteren Ende — dort zahlen viele Betriebe nahe an der gesetzlichen Untergrenze, also den 977 € im 3. Ausbildungsjahr. Die genauen Tarifwerte stehen in der BIBB-Datenbank.

Es gibt da riesige Unterschiede. Das ist unfair, ja. Aber es ist die Realität des Ausbildungsmarktes. Beliebte, einfachere Berufe haben oft schwächere Tarifverträge.

Tipps für bessere Ausbildungsvergütung

1. Tarifbetriebe bevorzugen Schau bei der Bewerbung: Ist der Betrieb tarifgebunden? Das ist ein großer Vorteil.

2. Verhandeln (vorsichtig) Wenn ein Betrieb unter Tarif zahlen will und keine Gewerkschaft da ist, kannst du (mit Unterstützung deiner Eltern) höflich verhandeln. "Könntet ihr X Euro zahlen statt Y?" Manchmal funktioniert es.

3. Branche wählen Wenn Geld wichtig ist: Industrie, Handwerk und öffentlicher Dienst zahlen oft mehr als Einzelhandel oder Handwerk wie Friseur.

4. Größere Betriebe bevorzugen Große Konzerne zahlen oft besser und tarifgebunden als kleine Betriebe.

5. Berufsschule ernst nehmen Gute Leistungen in der Berufsschule können manchmal zu Gehaltsbonus oder besseren Übernahmechancen führen. Wie du gut in der Berufsschule mitkommst, zeigen wir dir in einem separaten Artikel.

Was ändert sich 2027?

Die Mindestausbildungsvergütung wird jedes Jahr neu festgesetzt. Wie stark sie steigt, ergibt sich aus der durchschnittlichen Entwicklung der Ausbildungsvergütungen der beiden Vorjahre — der Satz für 2027 steht also noch nicht fest und wird üblicherweise im Herbst davor bekannt gegeben. Zum Vergleich die bisherigen Sätze für das 1. Ausbildungsjahr: 682 € (2025), 724 € (2026).

Praktische Beispiele: Was dein echtes Netto-Budget ist

Lass uns konkret werden: Wie viel Geld hast du WIRKLICH zum Leben, wenn du eine Ausbildung machst?

Szenario 1: Azubi bei großem Industriebetrieb (Tarifvertrag)

  • Brutto 1. Lehrjahr: 900 €
  • Netto nach Steuern/Abgaben: ~650 €
  • Wenn du bei Eltern wohnst (kostenlos): 650 € = Alles zu Freizeit, Sparen, Auto
  • Wenn du alleine wohnst (Miete 400 €): 250 € = Sehr knapp, BAB würde helfen

Szenario 2: Azubi bei Bank (Top-Tarifvertrag)

  • Brutto 1. Lehrjahr: 1.300 €
  • Netto: ~950 €
  • Bei Eltern: 950 € = Sehr komfortabel
  • Alleine: 550 € = Tight, aber machbar

Szenario 3: Azubi im Einzelhandel (schwächerer Tarif, nahe am Minimum)

  • Brutto 1. Ausbildungsjahr: 724 €
  • Netto: ~530 €
  • Bei Eltern: 530 € = Mager, aber reicht für Basics
  • Alleine: UNMÖGLICH — müsste BAB beantragen oder nebenbei jobben

Fazit der Netto-Realität: Deine Wohnungssituation macht einen RIESIGEN Unterschied. Wenn du bei Eltern wohnst, brauchst du wenig Geld. Wenn du alleine wohnst, brauchst du einen tarifgebundenen Betrieb oder BAB.

Häufige Fragen zur Ausbildungsvergütung

F: Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung 2026? A: Die Mindestausbildungsvergütung 2026 liegt bei 724 Euro brutto im 1. Ausbildungsjahr, 854 Euro im 2., 977 Euro im 3. und 1.014 Euro im 4. Jahr. Diese Sätze sind in § 17 BBiG geregelt und gelten für alle Ausbildungsbetriebe, die nicht tarifgebunden sind.

F: Muss der Arbeitgeber die Ausbildungsvergütung zahlen? A: Ja, das ist gesetzlich verpflichtend. Jeder Ausbildungsbetrieb muss mindestens die Mindestausbildungsvergütung zahlen. Arbeitgeber, die das nicht tun, machen sich strafbar. Wenn dein Betrieb zahlt unter-Mindest: Melde das deinem Berufsschule-Lehrer oder der IHK/HWK.

F: Wird Ausbildungsvergütung versteuert? A: Ja, von deinem Brutto-Gehalt werden Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Bei einem Gehalt von 900 Euro brutto kommen dadurch oft nur 650–700 Euro Netto an.

F: Kann ich als Azubi BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) erhalten? A: BAB ist möglich, wenn du nicht bei deinen Eltern wohnst, der Betrieb zu weit weg ist oder das Ausbildungsgehalt nicht zum Leben reicht. Der Satz liegt 2026 zwischen 192 und 934 Euro monatlich. Antrag online bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter.

F: Wo verdiene ich als Azubi am meisten? A: Die höchsten Ausbildungsvergütungen gibt es in Industrie, Handwerk und öffentlichem Dienst — besonders in Banken, Maschinenbau und Metallverarbeitung. Einzelhandel und Handwerk wie Friseur zahlen deutlich weniger. Ein Bankazubi verdient oft 2–3x so viel wie ein Einzelhandelazubi.

F: Kann ich während der Ausbildung nebenbei jobben? A: Ja, aber mit Limits. Du darfst maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten (außer in den Semesterferien). Sprich vorher mit deinem Betrieb ab — manche wollen das nicht. Achtung: Zu viel Nebenjob + Ausbildung = Burnout-Risiko.

Fazit: Ausbildungsvergütung 2026

Die Ausbildungsvergütung 2026 bewegt sich zwischen 724 Euro (gesetzliches Minimum) und rund 2.000 Euro (Top-Tarifberufe) brutto — je nach Branche, Betrieb und Lehrjahr. Wichtig zu wissen:

  • Es gibt eine Mindestausbildungsvergütung, aber Tarifverträge zahlen oft deutlich mehr
  • Netto kommt weniger an als brutto — rechne mit 20–25% Sozialabgaben + Steuern
  • BAB und Kindergeld können helfen, wenn die Ausbildungsvergütung knapp ist
  • Tarifbetriebe und größere Betriebe zahlen tendenziell besser

Vergleiche die Vergütung nicht nur zwischen Berufen, sondern auch zwischen Betrieben. Manche zahlen 200 Euro mehr pro Monat als andere — das sind 2.400 Euro pro Jahr. Das ist real wichtig.


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Inhalt

  • Die Mindestausbildungsvergütung 2026
  • Tarifvertrag schlägt Mindestausbildungsvergütung
  • Regionale Unterschiede: West vs. Ost
  • Unterschiede nach Lehrjahr
  • Brutto vs. Netto: Das Geld, das wirklich ankommt
  • Besonderheiten für Azubis mit kleinerem Einkommen
  • Höchste und niedrigste Verdienste nach Beruf
  • Tipps für bessere Ausbildungsvergütung
  • Was ändert sich 2027?
  • Praktische Beispiele: Was dein echtes Netto-Budget ist
  • Häufige Fragen zur Ausbildungsvergütung
  • Fazit: Ausbildungsvergütung 2026
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