Ausbildungsvergütung 2026 — Was verdienst du wirklich?
Das Thema Geld ist bei der Wahl einer Ausbildung genauso wichtig wie der Beruf selbst. Du fragst dich: Wie viel verdiene ich als Azubi? Reicht das zum Leben? Und wie unterscheidet sich das Gehalt zwischen den Branchen?
Gute Nachricht: Die Ausbildungsvergütung in Deutschland ist nicht willkürlich. Sie wird durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Tarifverträge geregelt. Wir zeigen dir, worauf du achten musst und welche Zahlen für 2026 realistisch sind.
Die Mindestausbildungsvergütung 2026
Seit 2020 gibt es in Deutschland eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Das bedeutet: Jeder Ausbildungsbetrieb muss dir mindestens diesen Betrag zahlen — egal in welcher Branche.
Die Mindestausbildungsvergütung 2026 liegt bei:
- 1. Ausbildungsjahr: 650 Euro brutto pro Monat
- 2. Ausbildungsjahr: 770 Euro brutto pro Monat
- 3. Ausbildungsjahr: 890 Euro brutto pro Monat
Diese Sätze sind jährlich gestiegen (zuletzt 2025). Der Grund: Das BBiG sieht vor, dass die Mindestausbildungsvergütung mindestens 80% des durchschnittlichen Facharbeitereinkommens entspricht.
Wichtig: Das ist nicht das, was du in der Tasche hast. Das ist das Brutto-Gehalt. Davon gehen Steuern und Sozialabgaben ab. Mehr zu deinen Rechten als Azubi findest du in unserem Ratgeber zu Rechten und Pflichten als Azubi.
Tarifvertrag schlägt Mindestausbildungsvergütung
Die meisten Azubis verdienen mehr als die Mindestausbildungsvergütung — nämlich dann, wenn ihr Betrieb an einen Tarifvertrag gebunden ist. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt und legen oft bessere Bedingungen fest.
Detaillierte Tarifvergütungen 2026 nach Beruf:
| Branche / Beruf | 1. Lehrjahr | 2. Lehrjahr | 3. Lehrjahr | Netto (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Bankfachmann/-frau (Tarif) | 1.100–1.400 € | 1.300–1.600 € | 1.500–1.900 € | 1.100–1.400 € |
| Industrie/Maschinenbau (IG Metall, West) | 850–950 € | 1.000–1.150 € | 1.150–1.350 € | 800–1.000 € |
| KFZ-Mechatroniker (IG Metall) | 880–950 € | 1.050–1.150 € | 1.250–1.400 € | 800–1.050 € |
| Elektrohandwerk (IG Metall, West) | 700–820 € | 850–950 € | 980–1.150 € | 650–900 € |
| Metallbauer (IG Metall, West) | 650–750 € | 800–920 € | 920–1.100 € | 600–850 € |
| Kaufmann/frau im Einzelhandel | 550–700 € | 650–800 € | 750–900 € | 500–700 € |
| Friseur (Tarif) | 450–600 € | 550–700 € | 650–800 € | 450–650 € |
| Gastronomie (Tarifvertrag) | 650–750 € | 750–850 € | 850–950 € | 600–800 € |
| Öffentlicher Dienst (TV-AöD) | 730 € | 780 € | 830 € | 600–700 € |
Der Unterschied ist erheblich: Ein Bankazubi verdient in der Regel 2–3x so viel wie ein Einzelhandelsazubi oder Friseur. Das liegt nicht an der Intelligenz, sondern an Tarifverträgen und Branchenkraft. Banken haben starke Tarifbindungen und hohen Gewinn, Einzelhandel und Friseursalons kämpfen mit niedrigen Margen.
Tipp: Frag bei deinem potenziellen Arbeitgeber konkret nach: "Welcher Tarifvertrag gilt bei euch?" oder "Wie viel zahlt ihr im 1./2./3. Jahr?" Damit keine Überraschungen entstehen.
Regionale Unterschiede: West vs. Ost
Ein großer Unterschied, den viele übersehen: Die Tarifvergütungen sind in Ostdeutschland oft deutlich niedriger als im Westen. Das ist keine Diskriminierung, sondern historisch gewachsen — die Tarifverträge werden regionial verhandelt.
Beispiel Industrietarif (3. Lehrjahr):
- Westdeutschland (z.B. Baden-Württemberg, NRW): 1.150–1.350 Euro
- Ostdeutschland (z.B. Sachsen, Thüringen): 850–1.000 Euro
- Unterschied: Bis zu 500 Euro weniger pro Monat (6.000 Euro pro Jahr)
Beispiel Einzelhandel (3. Lehrjahr):
- Westdeutschland: 750–900 Euro
- Ostdeutschland: 600–750 Euro
- Unterschied: 150 Euro weniger pro Monat
Diese Unterschiede sind wichtig zu kennen, wenn du überlegst, wo du deine Ausbildung machst oder ob ein Umzug sinnvoll ist. Eine Ausbildung in München bringt dir 200–300 Euro mehr pro Monat als in Leipzig — aber die Lebenshaltungskosten sind auch höher (Miete, Lebensmittel, etc.).
Unterschiede nach Lehrjahr
Du merkst es vielleicht schon: Je länger du in der Ausbildung bist, desto mehr verdienst du. Das ist logisch — du kannst mehr, brauchst weniger Anleitung und bringst dem Betrieb mehr Wert.
Das erste Lehrjahr ist oft das niedrigste Einkommen. Der Grund: Du brauchst noch viel Anleitung und produzierst weniger Ertrag für den Betrieb. Außerdem bist du viel in der Berufsschule.
Im zweiten und dritten Jahr wächst dein Gehalt regelmäßig. Die prozentuale Steigerung variiert, liegt aber oft zwischen 10–20% pro Jahr.
Beispiel aus der Praxis:
- Maurerlehrling (Tarifvertrag), 1. Lj.: 750 Euro
- Lj.: 900 Euro (+20%)
- Lj.: 1.050 Euro (+17%)
Das ist nicht viel Geld im absoluten Sinne — aber die Dynamik ist wichtig. Dein Arbeitgeber erkennt an, dass du besser wirst.
Brutto vs. Netto: Das Geld, das wirklich ankommt
Das ist der Punkt, wo viele Azubis überrascht sind. Du hörst: "Du verdienst 900 Euro!" und denkst, du hast 900 Euro. In Wahrheit kommen oft nur 700–750 Euro an.
Was wird von deinem Gehalt abgezogen?
Lohnsteuer: Für unter-18-Jährige gilt oft die Steuerklasse I (Ledig). Die Lohnsteuer steigt mit dem Einkommen, liegt bei Azubis aber oft zwischen 0–8%.
Solidaritätszuschlag: Ein kleiner Zusatz zur Lohnsteuer (0,55% des Lohnsteuersatzes). Gilt für die meisten Azubis mit regulärem Einkommen.
Sozialversicherungsbeiträge: Das ist der größte Brocken.
- Rentenversicherung: 9,3% (Arbeitnehmeranteil)
- Krankenversicherung: ca. 8,5%
- Pflegeversicherung: ca. 3,4%
- Arbeitslosenversicherung: ca. 2,6%
- Summe: ca. 23,8%
Beispiel Netto-Berechnung:
- Brutto: 900 Euro
- Sozialversicherung (23,8%): –214 Euro
- Lohnsteuer + SolZ (ca. 5%): –45 Euro
- Netto: ca. 641 Euro
Klingt hart? Aber bedenke: Diese Beiträge zur Rentenversicherung und Krankenversicherung sichern dich ab. Das ist nicht verlorenes Geld — es baut deine Rente auf und du hast Zugang zur Krankenversicherung.
Besonderheiten für Azubis mit kleinerem Einkommen
Wenn du unter 450 Euro brutto verdienst, gibt es teilweise Erleichterungen. Aber: Die meisten Azubis sind weit drüber.
Wichtiger: Kindergeld und BAB (Berufsausbildungsbeihilfe)
Wenn deine Eltern nicht so viel verdienen und du nicht bei ihnen wohnst, kannst du BAB beantragen. Das ist eine staatliche Unterstützung für Azubis in Notlage. Der Satz liegt 2026 zwischen 192 und 934 Euro monatlich, je nachdem wie viel deine Eltern verdienen und wie hoch deine Miete ist.
BAB ist nicht zu verwechseln mit dem regulären Kindergeld (250 Euro pro Kind monatlich bis 25 Jahre), das deine Eltern bekommen.
Wann BAB beantragen?
- Du wohnst nicht mehr bei deinen Eltern
- Dein Ausbildungsbetrieb ist zu weit weg
- Das Ausbildungsgehalt reicht nicht zum Leben
Die Antragstellung ist beim Jobcenter oder bei der Agentur für Arbeit möglich. Es ist etwas Bürokratie, aber jeder Euro zählt.
Höchste und niedrigste Verdienste nach Beruf
Um dir einen Überblick zu geben: Hier sind die Branchen mit den höchsten und niedrigsten Ausbildungsvergütungen 2026.
Spitzenverdienste (3. Lehrjahr, Tarifvertrag):
- Bankfachmann/-frau: 1.500–2.000 Euro brutto
- Flugbegleiter: 1.200–1.500 Euro brutto
- Industriemechaniker (große Betriebe): 1.200–1.400 Euro brutto
- Kraftfahrzeugmechatroniker: 1.000–1.200 Euro brutto
Eher niedrigere Verdienste (3. Lehrjahr, Tarifvertrag):
- Friseur: 450–650 Euro brutto
- Einzelhandel: 650–800 Euro brutto
- Gastronomie: 500–700 Euro brutto
- Florist: 400–600 Euro brutto
Es gibt da riesige Unterschiede. Das ist unfair, ja. Aber es ist die Realität des Ausbildungsmarktes. Beliebte, einfachere Berufe haben oft schwächere Tarifverträge.
Tipps für bessere Ausbildungsvergütung
1. Tarifbetriebe bevorzugen Schau bei der Bewerbung: Ist der Betrieb tarifgebunden? Das ist ein großer Vorteil.
2. Verhandeln (vorsichtig) Wenn ein Betrieb unter Tarif zahlen will und keine Gewerkschaft da ist, kannst du (mit Unterstützung deiner Eltern) höflich verhandeln. "Könntet ihr X Euro zahlen statt Y?" Manchmal funktioniert es.
3. Branche wählen Wenn Geld wichtig ist: Industrie, Handwerk und öffentlicher Dienst zahlen oft mehr als Einzelhandel oder Handwerk wie Friseur.
4. Größere Betriebe bevorzugen Große Konzerne zahlen oft besser und tarifgebunden als kleine Betriebe.
5. Berufsschule ernst nehmen Gute Leistungen in der Berufsschule können manchmal zu Gehaltsbonus oder besseren Übernahmechancen führen. Wie du gut in der Berufsschule mitkommst, zeigen wir dir in einem separaten Artikel.
Was ändert sich 2027?
Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit wird die Mindestausbildungsvergütung jährlich angepasst. 2027 wird sie wahrscheinlich erneut steigen — vermutlich auf ca. 700 Euro brutto im 1. Lj. Das ist eine positive Entwicklung, aber immer noch wenig Geld.
Praktische Beispiele: Was dein echtes Netto-Budget ist
Lass uns konkret werden: Wie viel Geld hast du WIRKLICH zum Leben, wenn du eine Ausbildung machst?
Szenario 1: Azubi bei großem Industriebetrieb (Tarifvertrag)
- Brutto 1. Lehrjahr: 900 €
- Netto nach Steuern/Abgaben: ~650 €
- Wenn du bei Eltern wohnst (kostenlos): 650 € = Alles zu Freizeit, Sparen, Auto
- Wenn du alleine wohnst (Miete 400 €): 250 € = Sehr knapp, BAB würde helfen
Szenario 2: Azubi bei Bank (Top-Tarifvertrag)
- Brutto 1. Lehrjahr: 1.300 €
- Netto: ~950 €
- Bei Eltern: 950 € = Sehr komfortabel
- Alleine: 550 € = Tight, aber machbar
Szenario 3: Azubi im Einzelhandel (schwächerer Tarif)
- Brutto 1. Lehrjahr: 650 €
- Netto: ~480 €
- Bei Eltern: 480 € = Mager, aber reicht für Basics
- Alleine: UNMÖGLICH — müsste BAB beantragen oder nebenbei jobben
Fazit der Netto-Realität: Deine Wohnungssituation macht einen RIESIGEN Unterschied. Wenn du bei Eltern wohnst, brauchst du wenig Geld. Wenn du alleine wohnst, brauchst du einen tarifgebundenen Betrieb oder BAB.
Häufige Fragen zur Ausbildungsvergütung
F: Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung 2026? A: Die Mindestausbildungsvergütung 2026 liegt bei 650 Euro brutto im 1. Lehrjahr, 770 Euro im 2. Jahr und 890 Euro im 3. Jahr. Diese Sätze sind gesetzlich im BBiG geregelt und gelten für alle Ausbildungsbetriebe.
F: Muss der Arbeitgeber die Ausbildungsvergütung zahlen? A: Ja, das ist gesetzlich verpflichtend. Jeder Ausbildungsbetrieb muss mindestens die Mindestausbildungsvergütung zahlen. Arbeitgeber, die das nicht tun, machen sich strafbar. Wenn dein Betrieb zahlt unter-Mindest: Melde das deinem Berufsschule-Lehrer oder der IHK/HWK.
F: Wird Ausbildungsvergütung versteuert? A: Ja, von deinem Brutto-Gehalt werden Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Bei einem Gehalt von 900 Euro brutto kommen dadurch oft nur 650–700 Euro Netto an.
F: Kann ich als Azubi BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) erhalten? A: BAB ist möglich, wenn du nicht bei deinen Eltern wohnst, der Betrieb zu weit weg ist oder das Ausbildungsgehalt nicht zum Leben reicht. Der Satz liegt 2026 zwischen 192 und 934 Euro monatlich. Antrag online bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter.
F: Wo verdiene ich als Azubi am meisten? A: Die höchsten Ausbildungsvergütungen gibt es in Industrie, Handwerk und öffentlichem Dienst — besonders in Banken, Maschinenbau und Metallverarbeitung. Einzelhandel und Handwerk wie Friseur zahlen deutlich weniger. Ein Bankazubi verdient oft 2–3x so viel wie ein Einzelhandelazubi.
F: Kann ich während der Ausbildung nebenbei jobben? A: Ja, aber mit Limits. Du darfst maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten (außer in den Semesterferien). Sprich vorher mit deinem Betrieb ab — manche wollen das nicht. Achtung: Zu viel Nebenjob + Ausbildung = Burnout-Risiko.
Fazit: Ausbildungsvergütung 2026
Die Ausbildungsvergütung 2026 bewegt sich zwischen 650 Euro (Minimum) und 2.000 Euro (Top-Tarifberufe) brutto — je nach Branche, Betrieb und Lehrjahr. Wichtig zu wissen:
- Es gibt eine Mindestausbildungsvergütung, aber Tarifverträge zahlen oft deutlich mehr
- Netto kommt weniger an als brutto — rechne mit 20–25% Sozialabgaben + Steuern
- BAB und Kindergeld können helfen, wenn die Ausbildungsvergütung knapp ist
- Tarifbetriebe und größere Betriebe zahlen tendenziell besser
Vergleiche die Vergütung nicht nur zwischen Berufen, sondern auch zwischen Betrieben. Manche zahlen 200 Euro mehr pro Monat als andere — das sind 2.400 Euro pro Jahr. Das ist real wichtig.
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