Galvanotechniker Ausbildung — Gehalt, Ablauf & Karrierechancen
Überall um dich herum — in Autos, Maschinen, Schmuck, Elektronik — befinden sich vergoldete, versilberte oder verchrömte Metalloberflächen. Galvanotechniker erschaffen diese Oberflächenbeschichtungen. Ein spezialisierter Beruf im Schnittpunkt von Chemie, Elektrotechnik und Handwerk, mit stabilen Chancen in der Industrie.
Wenn du dich für chemische Prozesse interessierst, technische Präzision magst und nicht vor Spezialisierung zurückschreckst — das könnte dein Beruf sein.
Was macht ein Galvanotechniker?
Galvanotechniker übernehmen die elektrolytische Beschichtung von Metalloberflächen. Das ist der Prozess, bei dem eine Schutzschicht oder eine funktionale Schicht auf Metall aufgetragen wird, um Korrosion zu verhindern, die Ästhetik zu verbessern, oder elektrische Eigenschaften zu modifizieren.
Die häufigsten Verfahren sind:
- Galvanisieren (Verzinken): Eine Zinkschicht auf Stahl, um Rost zu verhindern. Überall in der Auto- und Bauindustrie.
- Verchromen: Glänzende Chromschicht für Optik und Verschleißschutz — auf Autoteilen, Badarmaturnen, Werkzeugen.
- Vernickeln: Nickelschicht für Korrosionsschutz und magnetische Eigenschaften.
- Vergolden: Dünne Goldschicht auf Schmuck, Elektronik, Kontakten (Präzisions-Industrie).
- Versilbern: Silberbeschichtung für hohe Leitfähigkeit (Elektronik, Kontakte).
- Kupferung: Kupferschicht als Grundlage für weitere Beschichtungen oder zur Verbesserung der Leitfähigkeit.
- Hartanodisieren: Für Aluminium, eine extrem harte, verschleißresistente Schicht.
Deine täglichen Aufgaben:
- Teile vorbereiten: Metalloberflächen reinigen, entfetten, polieren — damit die Beschichtung haftet
- Elektrolytische Bäder kontrollieren: pH-Wert, Temperatur, Stromstärke, Elektrolyt-Konzentration
- Teile aufhängen: Werkstücke so positionieren, dass die Beschichtung gleichmäßig erfolgt
- Prozessüberwachung: Beschichtungsqualität mit Messgeräten kontrollieren (Schichtdicke, Adhäsion)
- Qualitätsprüfung: Oberflächendefekte erkennen, Messungen dokumentieren
- Chemikalien handhaben: Säuren, Laugen, Metallsalze dosieren und mischen
- Abfallwirtschaft: Chemikalien fachgerecht entsorgen, Umweltschutz einhalten
- Wartung: Elektrolytanlagen, Heizkessel, Pumpen überwachen und warten
Das ist kein sauberes oder entspannendes Umfeld, aber es ist hoch spezialisiert und anforderungsvoll.
Typischer Arbeitstag eines Galvanotechnikers
6:00 Uhr — Ankunft und Schicht-Vorbereitung
Du kommst in die Galvanik-Werkstatt. Es riecht intensiv nach Chemikalien — eine Mischung aus Säure, Metall und organischen Lösungsmitteln. Das ist etwas, an das du dich gewöhnen wirst (oder nicht, was auch respektabel ist).
Deine Schutzausrüstung ist Standard: Chemikalien-resistente Handschuhe (Nitril oder Neoprene), Schutzbrille, Atemschutz bei Bedarf, Arbeitsschürze, robuste Schuhe. Auch eine Notfalldusche steht bereit — Sicherheit ist kritisch in der Galvanik.
6:15 Uhr — Morgen-Inspektion der Bäder
Du prüfst die Elektrolytbäder vom Vortag:
- Nickel-Bad: Sollte 55°C sein, ist 54°C — OK. pH-Wert sollte 3,8–4,2 sein, ist 4,0 — optimal.
- Chrom-Bad: Sehr aggressiv, kritischer Prozess. Temperatur 40–60°C, ist 52°C. Stromstärke 200 A, sollte 185–220 A sein — OK.
- Zink-Bad (alkalisch): Temperatur 30–40°C, ist 35°C. Alkalinität sollte 10–20 g/L sein, ist 14 g/L — gut.
Du testest jedes Bad chemisch. Mit Reagenzflaschen entnimmst du Proben und machst Schnelltests:
- Titration: Um Säuregehalt oder Basalität zu messen
- Leitfähigkeit: Mit digitalen Messgeräten
- Metallionkonzentration: Mit Teststreifen oder photometrisch
Falls Werte abweichen: Du dokumentierst es und benachrichtigst deinen Meister. Dann wird eine Korrektur angefahren — z. B. etwas Nickelchlorid hinzufügen, oder die Temperatur erhöhen.
6:45 Uhr — Teile einfahren und Beschichtung beginnen
Die erste Serie des Tages sind Autobremsen-Komponenten aus Stahl. Sie müssen verzinkt werden (Korrosionsschutz). Die Teile kommen in Boxen rein.
Schritt 1 — Vorbereitung:
Du hängst die Teile auf spezielle Stahlgestelle (Vorrichtungen), die unter Strom stehen können. Die Stahlgestelle sind elektrisch leitend — sie werden zur Kathode (negativ gepolt).
Schritt 2 — Entfettung:
Die Teile gehen in ein alkalisches Entfettungsbad. Das entfernt Öl, Fett, Schmutz. Dauer: 10 Minuten bei 60°C. Diese Teile sehen vorher schmierig aus, nachher sind sie metallisch blank.
Schritt 3 — Säure-Tauchbad:
Die Teile gehen kurz (2–3 Minuten) in ein Salzsäure-Bad. Das entfernt Zunder (schwarze Oxidationsschicht) von der Oberfläche. Danach sind die Teile blank und reaktiv.
Schritt 4 — Die Galvanik:
Jetzt der Kern-Prozess. Die Teile werden in das Zink-Bad gehängt. Das Bad hat eine Anode (Zinkstab, positiv gepolt) und deine Teile-Vorrichtung als Kathode (negativ gepolt).
Du stellst die richtige Stromstärke ein. Bei falscher Stromstärke passieren Fehler:
- Zu schwacher Strom: Beschichtung wird dünn und haftungsarm
- Zu starker Strom: Kristallwuchs, raue, spröde Schicht
Für diese Bremskomponenten: Zielschichtdicke 15–25 Mikrometer (0,015–0,025 mm). Das dauert etwa 20 Minuten.
Du beobachtest, wie eine glänzend-silberne Zinkschicht auf den Teilen wächst. Das ist visuell faszinierend.
9:00 Uhr — Erste Serie fertig, zweite Serie startet
Nach 20 Minuten sind die Teile verzinkt. Du nimmst sie raus, spülst sie in Wasser (mehrfach, um Elektrolyt-Reste zu entfernen), trocknet sie mit Druckluft, und packst sie in eine fertige-Teile-Kiste.
Die zweite Serie des Tages sind Schmuck-Komponenten: kleine Messingteile, die versilbert werden sollen. Das ist ein anderes Bad mit anderen Parametern. Das Verfahren ähnelt dem Zink-Bad, aber die Lösungen und Stromstärken sind spezialisiert.
10:30 Uhr — Qualitätskontrolle und Messungen
Du führst Qualitätsprüfung durch. Mit einem Schichtdickenmessgerät (Farbmessgerät oder magnetisches Messsystem) prüfst du, ob die Schichtdicke im Bereich 15–25 Mikrometer liegt. Du misst an mehreren Stellen des Teils.
Du prüfst auch visuell: Kratzer? Rauheit? Färbung uniform?
Falls ein Teil nicht in Spezifikation ist, wird es dokumentiert. Das ist wichtig für Qualitätssicherung. Wenn systematisch zu dünne Schichten entstehen, musst du die Stromstärke erhöhen oder die Bad-Chemie prüfen.
11:30 Uhr — Pause und Bad-Wartung
Pause: 30 Minuten Essenspause. Danach: Wartung der Elektrolytanlagen.
Du überprüfst:
- Pumpen: Laufen die Zirkulationspumpen? Sie müssen das Bad durchmischen.
- Heizer: Halten sie die Temperatur?
- Anoden: Sind die Zinkstäbe oder andere Anoden noch in gutem Zustand? Werden sie abgenutzt?
- Filter: Sind die Filtrationssysteme sauber? Trübes Bad bedeutet Kontaminationen.
- Strom-Anlage: Sind die Gleichrichter-Anlagen okay?
Wartung ist kritisch. Eine fehlerhafte Anlage kann teure Chargenverluste bedeuten.
13:00 Uhr — Neue Prozesse und Dokumentation
Ein großer Auftrag kommt herein: 500 Autoteile, die hartanodisiert werden sollen (Aluminium statt Stahl). Das ist ein komplexerer Prozess, mit noch aggressiveren Chemikalien (Schwefelsäure).
Du bereitest das Bad vor:
- Bad-Temperatur prüfen (5–15°C, relativ kühl)
- Stromstärke einstellen (höher für dicke Schichten)
- Chemikalien-Konzentration prüfen und notfalls korrigieren
Du dokumentierst alle Arbeitsschritte in einem Produktions-Log: Uhrzeit, Bad-Temperatur, Stromstärke, Schichtdicke, besondere Vorkommnisse. Das ist für Rückverfolgbarkeit und Qualität entscheidend.
14:30 Uhr — Abfallwirtschaft und Sicherheit
Galvanik produziert Abfallchemikalien: Säure-Rest-Bäder, metallhaltige Spülwässer (mit Zink, Nickel, Chrom), Verbrauchte Anoden-Reste.
Du handhabst diese nach strenger Vorschrift:
- Metallhaltige Abwässer gehen in spezielle Container, zum Recycling (Metall-Rückgewinnung)
- Säuren und Laugen werden neutralisiert oder recycelt
- Feststoffe werden getrennt gesammelt
Das ist eine wichtige Verantwortung — wenn du Chemikalien falsch entsorgst, schadet das der Umwelt und verstößt gegen Gesetze.
15:00 Uhr — Schicht-Ende und Handover
15:00 Uhr endet deine Schicht. Du schreibst Übergabe-Notizen für die Nachtschicht:
„Zink-Bad: OK. Nickel-Bad: Temperatur kurz zu niedrig um 13:00 Uhr, Heizer hochgefahren. Hartanodisier-Auftrag: 200 von 500 Teilen fertig, läuft gut. Anoden-Stäbe: Zink-Anode in Zink-Bad wird dünn, nächsten Monat wechseln. Keine Vorfälle."
Du packst dein Zeug, wäschst deine Hände gründlich (die Chemikalien sind hartnäckig), und verlässt die Werkstatt.
Voraussetzungen
Für die Ausbildung brauchst du:
- Schulabschluss: Hauptschulabschluss erforderlich, Realschulabschluss ist Vorteil
- Chemie-Verständnis: Du musst verstehen, wie Säuren, Basen, und Redox-Reaktionen funktionieren
- Mathematik: Konzentrationen berechnen, Stromstärke, pH-Wert — rechnen gehört dazu
- Technisches Verständnis: Elektrische Anlagen, Stromfluss, Gleichrichter
- Handwerkliches Geschick: Teile aufhängen, Messungen vornehmen
- Chemikalien-Affinität: Du darfst keine Angst vor Chemikalien haben (aber Respekt ist wichtig!)
- Zuverlässigkeit & Sorgfalt: Fehler können zu Chargenverlust, Badechemie-Imbalanz oder Sicherheitsrisiken führen
- Körperliche Belastbarkeit: Schichtarbeit, Stehen, Heben
Wichtig: Du musst medizinisch geeignet sein für den Umgang mit Chemikalien. Bei Allergien, Atemwegserkrankungen oder Hautproblemen solltest du das vorher checken.
Ablauf der Ausbildung
Die Ausbildung dauert 3 Jahre und ist dual: Du verbringst 3–4 Tage im Betrieb, 1–2 Tage in der Berufsschule.
Jahr 1: Grundlagen Galvanonik, Chemie und Sicherheit
Im ersten Jahr lernst du die Grundlagen. Wie funktioniert Elektrolyse? Wie werden verschiedene Metalle beschichtet? Welche Chemikalien sind in jedem Bad?
Du verstehst die Theorie hinter Oberflächenbeschichtung:
- Redox-Reaktionen: Wie Elektronen zwischen Anode und Kathode fließen
- Schichtbildung: Wie Metallionen aus dem Bad auf die Oberfläche wandern
- Faktoren für Schichtqualität: Stromstärke, Temperatur, Zeit, Bad-Zusammensetzung
Du wirst mit den Hauptprozessen vertraut gemacht: Galvanisieren (Zink), Verchromen, Vernickeln, Vergolden, Versilbern, Hartanodisieren. Du beobachtest diese unter Anleitung, wiederholst Schritt-für-Schritt-Vorgänge.
Sicherheit ist zentral. Chemikalien können ätzend, giftig, oder explosiv sein. Du lernst Sicherheitsprotokoll, Notfallausrüstung (Duschen, Augenspülstationen), und wie man richtig mit Schutzausrüstung arbeitet.
Jahr 2: Eigenständige Badüberwachung und Qualitätskontrolle
Im zweiten Jahr wirst du selbstständiger. Du übernimmst die Überwachung von Elektrolytbädern. Das bedeutet:
- Tägliche Kontrollen: Temperatur, pH, Leitfähigkeit
- Chemikalische Analyse: Konzentration von Metallionen, Fremdstoffen
- Badpflege: Bei Bedarf korrigieren (hinzufügen von Chemikalien, Filtern)
- Problembehebung: Wenn ein Bad aus dem Gleichgewicht ist, musst du diagnostizieren und reparieren
Du lernst auch Qualitätsmessung:
- Schichtdickenmessung: Mit Messgeräten
- Oberflächenprüfung: Kratzer, Unebenheiten, Adhäsion
- Dokumentation: Alle Messungen müssen protokolliert werden
Du spezialisierst dich zunehmend. Manche Azubis fokussieren auf Hartanodisierung (komplexer, höherer Lohn später). Andere spezialisieren sich auf Edelmetall-Beschichtung (Vergolden, Versilbern — höherwertig, aber weniger Volumen).
Jahr 3: Prüfung und Eigenverantwortung
Im dritten Jahr arbeitest du zu großen Teilen unabhängig. Du kannst mehrere Bäder gleichzeitig überwachen, komplexe Prozesse einfahren, und bei Problemen schnell reagieren.
Die Abschlussprüfung hat mehrere Komponenten:
Praktischer Teil: Dir wird eine Aufgabe gestellt — z. B. „Verzinke diese Stahlteile mit Schichtdicke 20 Mikrometer. Stelle das Bad ein, führe Qualitätskontrolle durch, dokumentiere alles." Du hast mehrere Stunden Zeit. Ein Prüfer beobachtet.
Schriftliche Prüfung: Fragen zu Galvanik-Theorie, Chemie, Elektrochemie. Typische Frage: „Welche Parameter beeinflussen die Schichtdicke? Was passiert, wenn die Stromstärke zu hoch ist?"
Mündliche Prüfung: Fachgespräch. Deine Erfahrungen, wie du Probleme gelöst hast, Sicherheitskultur.
Gehalt
Während der Ausbildung
Das Ausbildungsgehalt ist moderat:
- Jahr 1: 700–900 EUR brutto/Monat (durchschnittlich 800 EUR)
- Jahr 2: 850–1.050 EUR brutto/Monat (durchschnittlich 950 EUR)
- Jahr 3: 1.000–1.250 EUR brutto/Monat (durchschnittlich 1.125 EUR)
Regionale und branchenabhängige Unterschiede existieren. Große Automobilzulieferer und Chemie-Unternehmen zahlen oft etwas mehr.
Nach der Ausbildung
Nach Abschluss steigt dein Gehalt deutlich:
- Einstiegsgehalt (0–1 Jahr Berufserfahrung): 2.400–2.800 EUR brutto/Monat
- Mit 2–3 Jahren Erfahrung: 2.600–3.100 EUR
- Mit 5 Jahren Erfahrung: 2.800–3.400 EUR
- Mit 10+ Jahren Erfahrung: 3.000–3.800 EUR
Schichtarbeit-Zuschläge: Falls dein Betrieb Schichtarbeit hat (Nacht-, Wochenend-Schichten):
- Nachtschicht-Zuschlag: +15–25 %
- Wochenend-Zuschlag: +30–50 %
- Feiertagszuschlag: +100 %
Mit Schichtarbeit kannst du auf 3.200–4.000 EUR brutto/Monat kommen.
Spezialisierung und Meister: Mit Meister-Fortbildung und Spezialisierung (z. B. Edelmetall-Galvanik, Hartanodisieren):
- Schichtleiter: 3.500–4.500 EUR
- Meister: 4.000–5.500 EUR
- Techniker (Galvanonik): 3.800–4.800 EUR
Karrierechancen & Weiterbildung
Spezialisierungen
- Edelmetall-Galvanik: Vergolden, Versilbern, Platinierung (höherwertig, bessere Bezahlung)
- Hartanodisieren: Spezialist für Aluminium-Beschichtung (hohe Anforderungen, gute Chancen)
- Prozess-Optimierung: Fokus auf Effizienz und Qualität
- Umwelt-Spezialist: Abfallwirtschaft, Recycling (immer wichtiger)
- Qualitäts-Leiter: Übernahme der Kontrollfunktion
Höherqualifizierende Ausbildung
- Techniker Galvanonik: Spezielle Fachschule (2 Jahre)
- Meister (Galvanikermeister): Meister-Kurs (1–2 Jahre)
- Ingenieur (Verfahrenstechnik, Oberflächentechnik): Mit Abitur und Studium
Vorteile und Herausforderungen
Vorteile
- Stabile Branche: Galvanik wird überall gebraucht (Auto, Elektronik, Maschinenbau, Schmuck)
- Gutes Gehalt: Mit Spezialisierung solid verdienen
- Sicherung der Karriere: Mit Meister oder Techniker-Ausbildung bessere Perspektiven
- Handwerkliche Zufriedenheit: Du siehst direkt die Ergebnisse deiner Arbeit
- Technisches Lernen: Chemie, Elektrotechnik, Prozess-Management — vielfältig
- Spezialisierungs-Chancen: Mit Wissen über bestimmte Prozesse (Hartanodisieren, Edelmetall) wertvoll
Herausforderungen
- Chemikalien-Exposure: Saures, alkalisches, giftiges Umfeld — nicht für jeden
- Schichtarbeit: Oft notwendig in größeren Betrieben
- Haut- und Atemprobleme: Manche entwickeln Allergien oder Sensitivitäten
- Monotone Arbeit: Ähnliche Prozesse jeden Tag — manche finden das langweilig
- Umwelt-Druck: Regulierung wird strenger, Abfallbehandlung wird teurer
- Automatisierung: Einfache Prozesse werden zunehmend automatisiert — Spezialisierung ist wichtig
Zukunftsaussichten
Stabil bis leicht positiv. Galvanik wird in fast allen Industrien gebraucht — Auto, Maschinenbau, Elektronik, Luft- und Raumfahrt. Der Bedarf sinkt nicht.
Allerdings: Automatisierung ist ein Trend. Große Galvanik-Anlagen werden zunehmend automatisiert, was bedeutet: Einfache Badüberwachung wird weniger gefragt. Spezialisten, die komplexe Prozesse beherrschen, sind gefragter.
Auch der Fokus auf Nachhaltigkeit und Recycling wird größer. Betriebe, die Galvanik-Abfälle optimal recyceln und Chemikalien sparen, sind im Vorteil. Mit Spezialisierung auf grüne Galvanik bessere Chancen.
Häufige Fragen
F: Ist die Arbeit mit Chemikalien wirklich gefährlich?
A: Ja, es gibt Risiken. Ätzungen, inhalative Belastung, chemische Verbrennungen sind möglich, wenn Sicherheit nicht ernst genommen wird. Aber: Mit korrektem Umgang, Schutzausrüstung, und Sicherheits-Kultur können diese Risiken stark minimiert werden. Moderne Galvanik-Betriebe haben hohe Standards. Wenn du sorgfältig bist und Anweisungen befolgst, ist das Risiko handhabbar.
Vorher: Checke deine Gesundheit. Hast du Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten, oder Allergien? Dann sprich mit einem Arzt — der Beruf könnte problematisch sein.
F: Muss ich nachts arbeiten?
A: Das hängt vom Betrieb ab. Große Industriebetriebe laufen oft 24/7 und haben Schichtarbeit. Kleinere Handwerksbetriebe arbeiten manchmal nur tagsüber. Beim Bewerbungsgespräch frag konkret nach dem Schicht-Modell. Wenn du keine Nachtschichten willst, suche kleinere oder spezialisierte Betriebe.
Vorteil von Schichtarbeit: Bessere Bezahlung. Nachteil: Gesundheit und Sozialleben leiden.
F: Wird dieser Beruf automatisiert?
A: Teilweise ja. Einfache Prozesse — Teile einfahren, abnehmen, repetitiv vergalvanisieren — werden zunehmend von Robotern gemacht. In modernen Fabriken gibt es vollauto Galvanik-Anlagen.
Aber: Komplexe Arbeiten bleiben menschlich. Badüberwachung, Fehlerdiagnose, Qualitätskontrolle mit Urteil, Spezialprozesse. Mit spezialisiertem Wissen bist du nicht automatisierbar. Mit reiner Maschinenbedienung bist du gefährdet.
F: Welche Betriebe bieten Ausbildung an?
A: Typische Ausbildungsbetriebe sind:
- Galvanik-Spezialbetriebe: Pure Galvanik-Unternehmen, oft mittelgroß
- Automobilzulieferer: Bosch, ZF, Leoni, Schaeffler — haben oft eigene Galvanik-Abteilungen
- Maschinenbau: Große Fertigungsbetriebe mit interne Oberflächenbehandlung
- Luftfahrt und Raumfahrt: Besonders hohe Anforderungen, spezialisierte Galvanik
- Elektronik-Hersteller: Für Kontakte, Leiterplatten-Vergoldung
- Schmuck-Industrie: Edelmetall-Galvanik (höherwertig)
Die meisten sind in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
F: Kann ich später den Beruf wechseln?
A: Mit Galvanik-Erfahrung kannst du auch in Oberflächenbehandlung allgemein arbeiten — Lackierung, Pulverbeschichtung, Anodisieren. Die technischen Anforderungen sind ähnlich. Auch in Qualitätskontrolle, Labortechnik, oder Betriebsleitung sind deine Skills wertvoll.
Ein direkter Wechsel in völlig andere Bereiche (IT, Pflege) ist schwieriger, aber möglich mit zusätzlichen Qualifikationen.
F: Wie sieht Nachhaltigkeit in der Galvanik aus?
A: Das ist ein großes Thema. Galvanik-Betriebe müssen:
- Chemikalien optimal nutzen und recyceln (Kostenreduktion + Umweltschutz)
- Abfallwässer behandeln und Metalle zurückgewinnen
- Energieverbrauch senken (Heizer laufen ständig)
- Neue, umweltfreundlichere Prozesse entwickeln
Betriebe, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, haben bessere Zukunftsaussichten. Mit Spezialisierung auf grüne Galvanik, Recycling-Prozesse, oder Energieeinsparung bist du wertvoll.
F: Wie sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
A: Sehr gut. Galvanik-Techniker sind gesucht. Der Mangel ist real — viele Betriebe suchen qualifizierte Fachkräfte. Nach der Ausbildung findest du relativ leicht einen Job, oft mit Übernahme vom Ausbildungsbetrieb.
Besonders gesucht: Spezialisten für Hartanodisieren, Edelmetall-Galvanik, und Umwelt-Management.
F: Passt dieser Beruf zu mir?
A: Ideal, wenn du:
- Interesse an Chemie und Elektrotechnik hast
- Sorgfältig und zuverlässig bist (Fehler sind kostspielig)
- Mit Chemikalien umgehen kannst (ohne Angst, aber mit Respekt)
- Schichtarbeit nicht abweist
- Technische Prozesse faszinieren
Nicht ideal, wenn du:
- Angst vor Chemikalien hast oder gegen Giftgase allergisch bist
- Unbedingt in einem sauberen Umfeld arbeiten willst
- Nur tagsüber arbeiten möchtest und das nicht verhandelbar ist
- Keine Routine und Wiederholung magst
Fazit
Galvanotechniker ist ein spezialisierter, technischer Beruf mit stabiler Nachfrage und gutem Gehalt. Die Arbeit ist nicht glamourös — du arbeitest mit Chemikalien, in Schichten, in einer industriellen Umgebung. Aber deine Arbeit ist kritisch für viele Industrien (Auto, Elektronik, Maschinenbau), und mit Spezialisierung hast du gute Chancen.
Mit Meister-Fortbildung oder Spezialisierung kannst du zu besseren Positionen und höheren Gehältern aufsteigen. Für technisch interessierte Menschen, die kein Problem mit Chemikalien haben und Stabilität suchen, ist das ein solider Beruf.
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